Berufsunfähigkeit durch Diagnose Krebs?

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    Guten Abend,

    ich habe das Forum über Facebook gefunden und will mal versuchen hier eine Antwort zu bekommen. Ich habe vor kurzem Erfahren das ich Lungenkrebs habe. Jetzt muss ich natürlich vieles regeln und erst einmal klar Schiff machen. Ich habe eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen - wie gehe ich da jetzt vor? Ich kann im Moment nicht mehr arbeiten und weiß nicht, ob ich es überhaupt nochmal kann. Hat da jemand eine Idee bzw. Hilfe für mich?

    Gruß
    Hansi

  • #2
    Sehr geehrte/r Hansi,
    in dem Fall kommen für dich sowohl die Berufsunfähigkeit als auch die Erwerbsminderung in Frage. Also melde dich ganz schnell bei einer der Beratungsstellen der gesetzlichen Rentenversicherung. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung meldest du einen Schadensfall. Von dort bekommst du dann Fragebögen, die du ausfüllen musst. Außerdem musst du dort Befunde vorlegen, denn bei der Berufsunfähigkeitsversicherung bist du in der Beweispflicht. Die gesetzliche Rentenversicherung wird im Normalfall die Aufträge für eine fachärztliche Begutachtung sowie eine sozialmedizinische Begutachtung erteilen. Um dir die Kosten für private Gutachten zu ersparen, kannst du deine BU-Versicherung bitten, mit der Entscheidung zu warten, bis das Verfahren bei der Gesetzlichen entschieden ist. Dann kannst du dir nämlich von da die Kopien der Gutachten schicken lassen und diese bei der BU-Versicherung vorlegen. Bei parallelen Verfahren trifft die Berufsunfähigkeitsversicherung die Entscheidung eh erst, wenn das Verfahren bei der Gesetzlichen abgeschlossen ist. Bei einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit hast du bei den meisten Policen nur den Anspruch auf Beitragsfreiheit, während du bei einer teilweisen Erwerbsminderung parallel den Anspruch auf die Rente für den Fall der Berufsunfähigkeit hast.

    Bei weiteren Fragen bitte einfach noch mal melden.

    Viele Grüße
    Hans

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    • #3
      Hallo Hansi,

      wenn man an Krebs erkrankt, wird man meistens vom Arzt für eine längere Zeit krank geschrieben.

      Wenn es dir aber einigermaßen möglich ist, arbeiten zu gehen, dann besteht die Möglichkeit, sich um den Status des "begünstigten behinderten Arbeitnehmers" zu bemühen. Du erhältst damit nicht nur erhöhten Kündigungsschutz sondern auch Anspruch auf Zusatzurlaub, Lohnsteuerfreibetrag und Fahrpreisermäßigungen. Falls eine volle Berufsunfähigkeit festgestellt wird, ist vom Staat Unterstützung zu erwarten, damit Du finanziell abgesichert bist. Du hast zum Beispiel die Möglichkeit, dir weiterhin den Lohn für maximal sechs Wochen ausbezahlen zu lassen. Wichtig dabei ist, dass du seit mindestens vier Wochen arbeitest und als arbeitsunfähig eingestuft worden bist.

      Wenn die sechs Wochen vorüber sind, zahlt die Krankenkasse weiter. Du musst dich aber ab diesem Zeitpunkt schon damit abfinden, dass du weniger Geld erhalten wirst als zuvor.
      Für maximal 78 Wochen bekommst du dann 70% deines Bruttoeinkommens. Wenn du über ein geringes Einkommen verfügst oder Hartz IV-Empfänger bist, wird dich das Sozialamt finanziell unterstützen.

      Es gibt auch die Option, dass du dich als schwer behindert einstufen lässt. Einen Antrag hierfür erhältst du beimVersorgungsamt. In welche Kategorie du letztendlich fällst, stellt die Behörde mithilfe ärztlicher Auskünfte fest. Diese Einstufung ist aber oft zeitlich begrenzt.

      Liebe Grüße und Kopf hoch
      Alexander

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      • #4
        Hallo Hansi,

        ich habe seit 5 Jahren Nierenkrebs mit 46 bekommen, arbeite ehrenamtlich in verschiedenen Gremien mit, welche sich mit Krebserkrankungen und den ganzen drumherum beschäftigen und möchte dir aus meinen Erkenntnissen berichten.
        Eine gute Einleitung in das Thema sind die blauen Ratgeber der deutschen Krebshilfe, z.B. http://www.krebshilfe.de/fileadmin/I...eiser_0414.pdf .
        In jedem Krankenhaus gibt es einen Sozialdienst, der für genau solche Themen da ist und dich beraten kann. Dieser Sozialdienst stellt auch die Anträge auf AHB (Reha) und Schwerbehinderung welche dir als an Krebs Erkrankter grundsätzlich zustehen. Mach einen Termin mit denen, die ersparen dir jede Menge Arbeit und Lauferei. Du wirst in Zukunft deine Reserven für dich benötigen. Leider leben nicht alle Kliniken ihren Sozialdienst so, wie es wünschenswert wäre.

        Als gesetzlich Versicherter hast du Anspruch auf 6 Wochen Lohnfortzahlung und bis 72 Wochen Krankengeldbezug. Danach folgt dann die Erwerbsminderung, falls du bis dahin noch nicht erwerbsfähig bist. Siehe auf den Seiten der deutschen Rentenversicherung ; http://www.deutsche-rentenversicheru...rung_node.html .Haken bei der Erwerbsminderungsrente ist die Höhe der Auszahlung von über den Daumen gepeilt ca. 45% des letzten Nettolohns. Was das bei dir persönlich bedeuten würde kannst du bei der DRV erfragen. Steht auch auf der jährlichen Meldung der Rentenversicherung drauf (wenn sie heute erkranken würden, steht ihnen x € zu; oder so ähnlich).Das ist jetzt mal grob der vorgesehene Lauf beschrieben. Deine Krankenkasse fordert dich in der Regel auf einen Reha/Rentenantrag zu stellen. Lass dir Zeit damit, Krankengeld ist wesentlich mehr.

        Bei privat Versicherten sind die abgeschlossenen Vertragsbedingungen das Maß aller Dinge und die können so unterschiedlich sein wie noch, so das man dir ohne Kenntnis der Bedingungen nicht wirklich weiterhelfen kann.

        Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist auch eine private Versicherung, auch hier wieder lesen was in den Vertragsbedingungen steht und danach handeln. Auch hier gibt es wieder Varianten wie Sand am Meer. Meine hat Rückwirkend zum ersten Krankheitstag gezahlt. Anders als bei Hans55 aufgeführten Beispiel (diese Variante habe ich noch niegehört, was bringt mir dann eine BU) zahlt meine zusätzlich zur gesetzl. Erwerbsminderungsrente. Dies ist unschädlich für die gestzliche Rente. Man muss nur den Ertragsanteil der Berufsunfähigkeitsrent versteuern (bei mir ca 10% der Auszahlung).

        Aus Sicht eines selbst betroffenen von Krebs würde ich so Vorgehen. Lesen, wann ich Meldung an die BU machen muss um keine Leistung zu verlieren. Bei gesetzlich Versicherten läuft die Sache mit Krankengeld und Erwerbsminderungsrente automatisch, spann den Sozialdienst mit ein. Mach zu Hause klar Schiff, damit deine Angehörigen finden was wichtig ist. Eine Patientenverfügung, Generalvollmacht und Vorsorgevollmacht sind auch sehr sinnvoll. Berede dies alles mit deinen Angehörigen, damit sie wissen, wie du dir das alles vorstellst. Aus eigener Erfahrung und den anderer Patienten kann ich nur dazu raten, auch wenn die Gespräche allen schwerfallen. Danach fällt aber allen Zentnerlasten von der Schulter, weil jeder weis wo er dran ist und wie und warum in deinem Sinne entschieden wird.

        Über die Rente kannst du dir später noch Gedanken machen, du bekomst als gestzl. Versicherter jetzt erst einmal Lohnfortzahlung und Krankengeld. Die Krankenversicherung probiert schon nach einiger Zeit, wenn keine Aussicht auf Wiederhersellung auf Erwerbsfähigkeit besteht, dich in die Rente zu bugsieren.

        Hilfe bekommst du auch bei den Sozialverbänden Sovd oder VdK bis hin zur anwaltlichen Vertretung vor Gericht ( gegen eine Mitgliedsgebuhr von ca. 60.€/Jahr) oder bei der UPD (unabhänige Patientenberatung Deutschlands)

        Und jetzt wünsche ich dir ein gutes Ansprechen deiner, egal wie gearteten, Therapien und ein schnelles überstehen dieser Krankheit. Ich wünsche dir und deinen Lieben auch viel Geduld für die nächste Zeit, die viel aus langem Warten auf Befunde und Ergebnisse bestehen wird.

        Jan

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